Zu Mehrarbeit motivieren

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Meine Mitarbeiter machen immer pünktlich Feierabend und lassen sich auch bei dringenden und wichtigen Aufträgen nicht überreden, länger zu arbeiten. Soll ich allen kündigen und neue einstellen?

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Mehr Engagement entsteht, wenn Mitarbeiter wissen, warum sie mehr arbeiten sollen, und sich verantwortlich für den Betrieb fühlen. Machen Sie Mitarbeiter also zu Mitunternehmern, indem Sie sie über Auftragslage und Situation des Betriebs informieren und durch Bonuszahlungen am Gewinn beteiligen.




Für Arbeit sind Menschen beinahe überall auf der Welt bereit, eine Menge in Kauf zu nehmen: Um „ihr“ Unternehmen vor der Insolvenz und vor Billigkonkurrenz zu schützen, haben sich in den vergangenen Jahren viele Beschäftigte zu Mehrarbeit ohne Lohnausgleich bereiterklärt. Allein im Jahr 2006 leisteten die Angestellten in Deutschland 1,7 Milliarden Überstunden ab, das sind mehr als sieben Millionen Tage oder rund 194.000 Jahre. Aber warum kommt es dennoch vor, dass in manchen Betrieben die Angestellten Dienst nach Vorschrift machen? Das ist vor allem eine Frage der Motivation und Führung. Dabei sind Psychologen zufolge drei Aspekte zu unterscheiden:

Aufzählung

  • Die persönliche Leistungsbereitschaft, die unabhängig von der Lage des Unternehmens besteht und durch das Gefühl, gebraucht zu werden, gesteigert wird. Anerkennung für gute Leistung fördert diese Bereitschaft zusätzlich.
  • Die Leistungsfähigkeit, die auf Wissen und Fachkenntnissen basiert und durch Überforderung oder auch Unterforderung schnell beeinträchtigt wird. Unternehmer tun also gut daran, ihre Mitarbeiter so einzusetzen, dass sie ihren Aufgaben psychisch und auch körperlich gewachsen sind.
  • Schließlich die Leistungsmöglichkeit, also der unternehmerische Rahmen, in dem die Arbeitsleistung erbracht wird. Er ist am stärksten durch Sie gestaltbar: Regelmäßige Informationen über die Lage des Betriebs, neue Aufträge oder Pläne etwa zeigen den Mitarbeitern Perspektiven auf und motivieren, Einsatz zu bringen. Machtspiele und Druck hingegen bewirken das Gegenteil.

Mitarbeitergespräche und persönliche Zielvereinbarungen klären Chancen und stecken den Rahmen ab, in dem sich Angestellte engagieren können. Umgekehrt werden Mitarbeiter, die nicht wissen, wie eilig ein Auftrag oder wie wichtig der Kunde fürs Unternehmen ist, jede Aufgabe gleich behandeln – und deshalb auch beruhigt in den Feierabend gehen.

Wer Mitarbeiter umfassend Auftragslage und Kunden erläutert, macht sie zum Mitunternehmer und regt zum Mitdenken an. Er wird wahrscheinlich nur selten Überstunden anordnen müssen, weil diese, wenn nötig, meist von selbst geleistet werden. Die Aussicht, Mehrarbeit in ruhigeren Zeiten wieder abbummeln zu können oder aber selbstbestimmt und ergebnisorientiert das Arbeitspensum an die Auftragslage anpassen zu können, schafft Vertrauen und Sicherheit. Flexible Arbeitszeitmodelle erhöhen ebenfalls die Leistungsbereitschaft. Überdies wird auch die Bereitschaft von Arbeitgebern für Familienaufgaben und Bildungspläne ihrer Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten anzubieten, meist mit Loyalität und Engagement honoriert.

Wie viel und vor allem wie engagiert Menschen arbeiten, hängt also sehr stark von den Bedingungen ab, die Unternehmer ihnen bieten. Ist der Rahmen gut austariert und bietet er ausreichend Entfaltungsmöglichkeiten, schauen Angestellte erfahrungsgemäß auch gar nicht mehr nur aufs Geld. Obwohl eine Gewinnbeteiligung – die leistungsbezogene Zusatzzahlung zu Gehalt oder Lohn – ebenfalls einen Beitrag leisten kann, den Mitarbeiter zum Mitunternehmer oder zum Mitdenker zu machen.



Die nächsten Schritte



Expertentipps:


  • Stimmt die Informationslage? Wissen Ihre Angestellte, welche Aufträge wichtig sind und wann sie Überstunden abbummeln können?
  • Bei Bedarf Überstunden anordnen, diese müssen begründet sein.
  • Arbeitszeitmodell überdenken: Gleitende Arbeitszeit oder Arbeitszeitkonten geben Sicherheit und Vertrauen und bieten bei der Planung mehr Flexibilität.
  • Über Leistungsanreize nachdenken: Gewinnbeteiligungen oder Boni für Erfolge können Mehreinsatz fördern, allerdings nur dann, wenn die Arbeitsumgebung stimmt.


  • Es gibt wieder viel zu tun: 2006 leistete jeder Beschäftigte im Schnitt mehr als 100 Überstunden – nur die Hälfte davon, 54 Stunden, wurden bezahlt. Rechtlich gesehen darf ein Unternehmer Überstunden anordnen, Angestellte können in diesem Fall nur mit einem triftigen Grund – etwa Hochzeit, Todesfall, Krankheit – ablehnen.
  • Allerdings dürfen Überstunden nicht zum Normalfall werden. Arbeitsrechtlich sind täglich höchstens zehn Stunden, pro Woche höchstens 60 Stunden Arbeitszeit erlaubt. Achtung: Sind Mitarbeiter ständig über dieses Maß hinaus gefordert, können für entstehende Schäden (Burnout, Depressionen, Unfälle) Unternehmer oder Manager zur Haftung herangezogen werden.
  • Die meisten Verträge enthalten Überstundenregeln, etwa den Satz, dass mit dem Gehalt „zehn bis 20 Überstunden abgegolten“ sind. Allerdings: Die pauschale Bestimmung „sind alle Überstunden abgegolten“ ist nicht zulässig.

Hier erfahren Sie mehr

  • Arbeitszeit, Überstunden und Mehrarbeit (Servicelink 04-12-01)
  • IHK Frankfurt/M.: Die wichtigsten Modelle zur Flexibilisierung der Arbeitszeit (Servicelink 04-12-02)
  • Allgemeines zum Thema Gewinnbeteiligung (Servicelink 04-12-03)
  • Fallstudien zur Arbeitszeit-Flexibilisierung (Servicelink 04-12-04)
  • Reinhard Sprenger zum Thema Mitarbeitermotivation (Servicelink 04-12-05)
  • Gerhard Schuler: Durch Partnerschaft zum Erfolg (29,90 Euro) (Servicelink 04-12-06)
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