Machen Sie Ihr Unternehmen unabhängig von sich

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Ich sitze jeden Tag bis 20:00 Uhr im Betrieb, oft auch länger, und arbeite an den Wochenenden. Trotzdem werde ich nie fertig. Andere Unternehmer spielen tagsüber Golf und verreisen häufig. Was mache ich falsch?

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Lassen Sie mich raten: Sie finden es schwer, zu Kunden nein zu sagen, Sie erledigen so viel wie möglich selbst, ihre Mitarbeiter müssen häufig auf Ihren Input und Ihre Entscheidungen warten. Und ohne Sie würde der ganze Betrieb in kürzester Zeit zusammenbrechen. Wenn das zutrifft, dann sollten Sie ab sofort versuchen, Ihr Unternehmen unabhängiger von sich zu machen und Ihre Arbeitszeit drastisch zu reduzieren!




Sie betreiben Raubbau mit Ihrer Gesundheit. Wenn Sie weiter so viel arbeiten, kann es durchaus passieren, dass Sie eines Tages aus gesundheitlichen Gründen, zum Beispiel wegen eines Burn-out-Syndroms, von einem Tag auf den anderen für längere Zeit ausfallen. Da Ihr Unternehmen ohne Sie nicht funktioniert, kann das Ihre gesamte Existenz bedrohen. Natürlich kann Sie auch ein Unfall oder eine andere Krankheit treffen, der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit sind aber psychische Faktoren.

Hinzu kommt, dass Sie viele Wachstumschancen für Ihr Unternehmen verspielen, wenn Sie es ganz auf sich ausrichten. Ihre Mitarbeiter warten ständig auf Ihre Entscheidungen und können eigene Ideen nicht realisieren. Sie bremsen sie aus, verschwenden deren Energie und werden sie schlussendlich verlieren.

Deshalb ist es höchste Zeit, Ihr Unternehmen ein Stück weit unabhängiger von sich zu machen. Der amerikanische Entrepreneur Timothy Ferriss hat dazu ein Buch mit dem provokanten Titel „Die 4-Stunden-Woche“ geschrieben. Er schlägt allen Ernstes vor, die mehr als 40 Stunden, die die meisten von uns arbeiten, um den Faktor zehn zu reduzieren. Das ist kurzfristig sicher nicht möglich, aber doch ein sehr nützliches Gedankenexperiment. Stellen Sie sich einfach einmal vor, Sie könnten krankheitsbedingt nur noch vier Stunden pro Woche arbeiten. Was würden Sie dann tun?

Folgende Beispiele zeigen, welche Tipps Timothy Ferriss gibt:

  • 20 Prozent der Kunden und Projekte bringen 80 Prozent des Gewinns (Pareto-Prinzip, auch „80-20-Regel“). Wenn Sie sich künftig ausschließlich auf die aussichtsreichsten Kunden konzentrieren, können Sie in einem Bruchteil der Zeit fast denselben Ertrag erwirtschaften.
  • Das gilt auch für Anrufe, E-Mails usw. Wir könnten einen Großteil unserer Arbeit einfach bleiben lassen – am Ergebnis würde sich kaum etwas ändern.
  • Automatisieren Sie Abläufe, wann immer das möglich ist. Webbasierte Dienste bieten dazu viele neue Ansätze.
  • Delegieren Sie alles, was Sie nicht unbedingt selbst machen müssen. Ferris schlägt sogar vor, möglicht viele Aufgaben an Hersteller und Dienstleister in Indien und anderen Schwellenländern weiterzugeben.
  • Schränken Sie Ihre Erreichbarkeit ein, lesen Sie zum Beispiel Ihre E-Mails nur noch einmal pro Woche. Geben Sie Ihren Mitarbeitern klare Anweisungen, wie in Ihrer Abwesenheit zu verfahren ist, und vor allem ausreichenden Spielraum, um nötige Entscheidungen selbst zu treffen.


Lassen Sie sich auf das Gedankenexperiment ein und verabschieden Sie sich für einen Moment von der Annahme, es sei richtig, möglichst viel zu arbeiten. Denn diese Annahme ist das Problem. Viel arbeiten ist nicht dasselbe wie produktiv zu sein. Wer beliebig viel Zeit hat, hat auch Zeit für Unwichtiges und für Dinge, die man eigentlich delegieren könnte. Und weil es zudem oft Überwindung kostet, wichtige Dinge anzupacken, schiebt man diese vor sich her. Man bleibt in Entscheidungen involviert, die die Mitarbeiter eigentlich ohne einen treffen könnten, und das ganze Unternehmen wartet zudem auf wichtige Entscheidungen, die Sie aber vor sich herschieben, weil Sie mit so vielen unwichtigen Dingen beschäftigt sind. So gesehen sollten Sie Ihre Arbeitszeit nicht nur aus gesundheit­lichen und ganz egoistischen Gründen reduzieren, sondern aus Verantwortung für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter. Sie brauchen ja nicht gleich auf die Vier-Stunden-Woche zu gehen. Die 40-Stunden-Woche ist ein schönes und auch erreichbares Zwischenziel.

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Die nächsten Schritte



Expertentipps:


  • Wer hält den Betrieb am Laufen, wenn Sie nicht erreichbar sind? Wenn Sie keinen Stellvertreter haben, dann suchen Sie bewusst jemanden und bauen Sie diese Person zu einem potenziellen Nachfolger auf.
  • Hinterlegen Sie bei einer Person Ihres Vertrauens wichtige Informationen, Anweisungen und Passwörter, die in Notfällen benötigt werden.
  • Fahren Sie einmal ohne Laptop und Handy in den Urlaub.
  • Verlängern Sie nach und nach die Dauer Ihrer Urlaube und gewöhnen Sie Ihre Mitarbeiter an längere Abwesenheiten.
  • Ermitteln Sie, wie viel Gewinn Sie mit Ihren verschiedenen Kunden und Produkten machen. Wahrscheinlich ist ein nicht unerheblicher Teil davon nicht oder nur wenig rentabel.
  • Was waren Ihre Wünsche und Motive, als Sie sich selbständig gemacht haben? Welche Vision haben Sie heute? Oder wursteln Sie sich einfach von Tag zu Tag durch? Werden Sie sich klar über Ihre langfristigen Ziele!

Rudolf König, Geschäftsführer der IHK Siegen, rät: „Führen Sie Ihren Betrieb so, dass er mit zunehmendem Zeitablauf immer unabhängiger von Ihrem persönlichen Zeiteinsatz wird.“ Natürlich müssen Sie erst einmal den eigenen Betrieb aufbauen, bevor Sie ihn übergeben können. Behalten Sie aber immer im Kopf, dass jederzeit die Übergabe an eine andere Person nötig werden könnte. Mit dieser Denkhaltung werden Sie Abläufe anders organisieren und Ihr Unternehmen so aufstellen, dass es auch ohne Sie überlebensfähig ist.


Hier erfahren Sie mehr

  • Timothy Ferriss: Die 4-Stunden-Woche. Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben (16,89 Euro) (Servicelink 01-06-01)
  • Susanne Christ: Die Vorsorgemappe für Selbstständige und Freiberufler (29,80 Euro) (Servicelink 01-06-02)
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