Liquiditätsfalle Investitionen

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Ich habe Gewinn gemacht, gute Umsätze, trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. Kein Wunder, es waren ja auch wichtige Investitionen nötig. Was habe ich denn falsch gemacht?

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Wenn Sie trotz guter Umsatzlage und ordentlicher Gewinne in Zahlungsnot geraten, kann das tatsächlich auf unverhältnismäßig hohe oder falsch finanzierte Investitionen zurückzuführen sein. Unter Umständen sind aber auch Ihre Kosten oder Privatentnahmen zu hoch. Ursache für den Finanzengpass kann zudem das schlechte Zahlungsverhalten Ihrer Kundschaft sein.




Je nachdem, ob Sie Ihr Unternehmen durch die „Erfolgsbrille“ (Umsatz/Gewinn) oder die „Liquiditätsbrille“ (Zahlungsfähigkeit) betrachten, kommen Sie oft zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen. Unter „Gewinn versus Zahlungsfähigkeit“ wird der Zusammenhang der beiden Betrachtungsweisen ausführlich erläutert. Beide sind überlebenswichtig.

  • Auch noch so bemerkenswerte buchhalterische Gewinne helfen herzlich wenig weiter, wenn der Großkunde die lang ersehnte Zahlung immer weiter hinausschiebt und die eigenen Gläubiger gleichzeitig nicht mehr bereit sind, stillzuhalten.
  • Zahlen die Kunden pünktlich, können sich erwirtschaftete Gewinne aber auch durch zu hohe Privatentnahmen in Luft auflösen.
  • Sie selbst sehen die Ursache für die derzeitige Schieflage in den Investitionen der letzten Zeit. Das kann durchaus sein. Zwar sind Investitionen grundsätzlich ausgesprochen wichtig und begrüßenswert: Schließlich müssen Sie wettbewerbsfähig und auf dem Stand der Technik bleiben. Doch Investitionen in langfristig genutzte Wirtschaftsgüter im Nettowert von mehr als 150 Euro (bis 2007: 410 Euro) haben einen gefährlichen Haken. Sie belasten die Liquidität sofort und in voller Höhe. Im Gegenzug dürfen die Auszahlungen im laufenden Jahr aber nur zu einem Bruchteil als Betriebsausgaben geltend gemacht werden (vgl. auch „Abschreibungen“).


Aus diesem Grund tun Sie vor Investitionsentscheidungen gut daran zu prüfen, ob der Kaufpreis tatsächlich gefahrlos aus Eigenmitteln bestritten werden kann. Dabei hilft Ihnen Ihre Liquiditätsplanung (vgl. „Kurzfristige Zahlungsfähigkeit“). Auf keinen Fall dürfen Sie Ihren Kontokorrentkredit (vgl. „Überziehungskredit“) für die Finanzierung von Investitionen einplanen. Das ist nicht nur unvertretbar teuer, sondern engt Ihren kurzfristigen finanziellen Spielraum dramatisch ein. Betrachten Sie Ihren Geschäfts-Dispo als Notgroschen: Er ist ausschließlich dafür gedacht, kurzfristige Finanzlöcher zu stopfen.

Können notwendige Investitionen nicht aus freien Guthaben Ihres Unternehmens gedeckt werden, sprechen Sie am besten mit Ihrer Bank über ein langfristiges Darlehen. Dessen Laufzeit sollten Sie nach Möglichkeit auf die geplante Nutzungsdauer der Anschaffung abstimmen.

Wichtig: Schuldenmachen für Investitionen ist kein Zeichen von Finanzschwäche, sondern im Gegenteil Ausdruck einer nüchternen, professionellen Kalkulation. Zu der gehört dann aber auch die Überprüfung der „Kapitaldienstfähigkeit“: Vor der Beschaffung und vor dem Darlehensantrag prüfen Sie auf Grundlage Ihrer Finanz- und Liquiditätsplanung, ob Ihr Unternehmen die zu erwartenden Zins- und Tilgungszahlungen während der Kreditlaufzeit aus eigener Kraft erwirtschaften wird. Falls Sie sich mit dieser Berechnung schwer tun, fragen Sie unbedingt Ihren Steuerberater oder lassen sich von Ihrer örtlichen IHK unterstützen.



Die nächsten Schritte



Expertentipps:


Prüfen Sie, ob es neben Ihrer regen Investitionstätigkeit noch andere Gründe für den notorischen Geldmangel gibt:

  • Halten sich Ihre Privatentnahmen im geplanten Rahmen?
  • Schreiben Sie Ihre Rechnungen zeitnah?
  • Bieten Sie Ihren Kunden genügend Zahlungsanreize?
  • Verfügen Sie über ein professionelles Forderungsmanagement?
  • Schöpfen Sie den Zahlungsspielraum aus, den Ihnen Ihre Lieferanten einräumen?
  • Haben Sie alle Kostenpositionen auf den Prüfstand gestellt?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, den Umsatz zu erhöhen und so die Gemeinkosten besser zu verteilen?
  • Überwachen Sie nicht nur Ihre Auftrags-, Umsatz- und Gewinnsituation, sondern auch Ihre Zahlungsfähigkeit.
  • Vorsicht bei vermeintlichen „Schnäppchen“: Verzichten Sie auf Impulskäufe.
  • Planen Sie Ihren Investitionsbedarf: Klären Sie, welche Maschinen, Anlagen und sonstigen Vermögensbestandteile Sie in Ihrem Betrieb in den nächsten Jahren benötigen werden.
  • Beachten Sie die „goldene Finanzierungsregel“: Beschaffen Sie Anlagevermögen ausschließlich mit langfristigem Fremd­­kapital oder langfristig verfügbaren Eigenmitteln.
  • Prüfen Sie bei einer Fremdfinanzierung, ob Ihr Betrieb dem Schuldendienst auf Dauer gerecht werden kann.
  • Klären Sie im Einzelfall, ob Miete oder Leasing sinnvolle Alternativen zur Investition sind.
  • Schöpfen Sie die zulässigen Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen aus.

Hier erfahren Sie mehr

  • Wikipedia: Investition (Servicelink 02-10-01)
  • Wikipedia: Investitionsrechnung (Servicelink 02-10-02)
  • GründerZeiten Nr. 7: Kapitalbedarf und Rentabilität (PDF) (Servicelink 02-10-03)
  • BMWi: Investitionen-Quiz (Servicelink 02-10-04)
  • Roger Zantow: Finanzierung. Die Grundlagen modernen Finanzmanagements (24,95 Euro) (Servicelink 02-10-05

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