Lageroptimierung

Aus Buhl Unternehmerwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche


Image:Frage.gif

Halte ich das Lager klein und kaufe immer nur kleine Mengen oder kaufe ich große Stückzahlen günstig ein? Was ist der richtige Weg?

Image:Antwort.gif

Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben Produkte auf Lager und keiner kauft sie. Je teurer die gelagerten Produkte und je größer die Mengen, umso mehr von Ihrem knappen Kapital binden Sie unnötig. Stellen Sie sich umgekehrt vor, Ihre Kunden möchten kaufen, aber Sie haben nicht genug Produkte auf Lager. Je nach Wettbewerbssituation verlieren Sie so wertvollen Umsatz und unter Umständen sogar die Kundenbeziehung insgesamt.




Mit den richtigen Methoden und Werkzeugen können Sie Bestellmengen und Lagerbestände so berechnen, dass Sie einen optimalen Kompromiss finden. Der erste Schritt ist wie immer eine genaue Analyse: Sie müssen das Verhalten Ihrer Kunden, die Bestände und Ihre Verkaufszahlen analysieren. Eine ausgezeichnete Methode, Bestellmengen und Bestände zu optimieren, ist der Einsatz der ABC-Analyse.

Mit ihr können Sie die unterschiedlichsten Betrachtungen durchführen. Neben vielen anderen können Sie Aufteilungen nach Umsatz pro Produkt, nach Verkaufsmenge pro Produkt oder auch nach Einkaufskosten pro Produkt vornehmen. Sie erhalten jeweils eine Unterteilung von sogenannten A-Produkten (die wichtigen) bis hin zu C-Produkten (die eher unwichtigen).

Die ABC-Analyse hilft Ihnen dabei, sich auf die für Sie wichtigsten Produkte zu konzentrieren. Bei der Betrachtung nach Umsatz pro Produkt können Sie sich beispielsweise auf die A-Produkte konzentrieren und versuchen, bei diesen eine hohe Verfügbarkeit sicherzustellen, ohne automatisch die Bestände ansteigen zu lassen.

So sieht die grobe Skizzierung einer ABC-Analyse am Beispiel Einkaufsvolumen aus:

  • Erfassung der Einkaufsprodukte mit Einstandspreisen
  • Zusammenstellung der Bedarfe aus den letzten 12 Monate
  • Bildung der Einkaufsvolumen pro Produkt (Preis x Menge)
  • Sortierung aller Einkaufsprodukte nach Einkaufsvolumen absteigend
  • Bildung der ABC-Kategorien (A etwa 80 Prozent, B etwa 15 Prozent und C etwa 5 Prozent vom gesamten Einkaufsvolumen)

Versuchen Sie, Lieferanten für die A-Produkte zu finden, die mit sehr kurzen Lieferzeiten und kleinen Mengen dienen können. Dann brauchen Sie bei diesen Produkten weniger Bestand, können aber trotzdem schnell über sie verfügen. Bei den C-Produkten können Sie sich dagegen eher einen gewissen Bestand leisten. Einen Schritt weiter als die reine ABC-Analyse gehen Sie mit dem Einsatz des ABC/XYZ-Portfolios. Hier betrachten Sie nicht nur das Einkaufsvolumen (Was kosten die Produkte?), sondern auch gleichzeitig auf der XYZ-Achse die Planbarkeit des Verkaufs (In welchen Mengen werden die Produkte voraussichtlich wann verkauft?).

X steht dabei für sehr gut vorhersehbare Absatzmengen und Z für schlecht oder gar nicht vorhersehbare Mengen. Diese Kombination erlaubt noch genauere Empfehlungen zu Bestandsplanung und Bestellmengen. So sollten Sie AX-Produkte nur in sehr geringen Mengen am Lager führen, benötigen dafür aber sehr zuverlässige Lieferanten, die quasi „just in time“ liefern können. AZ-Produkte dagegen (hoher Einkaufswert, aber nicht planbarer Bedarf) erfordern einen gewissen Lagerbestand und eine sehr genaue Beobachtung sowie möglichst kurze Lieferzeiten Ihrer Lieferanten.

Wenn Sie unabhängig von der Analyse der Kundenbedarfe durch größere Bestellmengen zu günstigeren Preisen kommen wollen, so kalkulieren Sie mit dem sogenannten Mindestrabattsatz. Er sagt aus, ab welchem Rabatt Sie bei einer Abnahme von größeren Mengen einen Kostenvorteil erzielen. Voraussetzung für die Berechnung des Mindestrabattsatzes ist die Kenntnis der eigenen Lagerhaltungskosten. Eine Kennzahl, die Sie in der Regel recht einfach ermitteln können, Sie benötigen nur drei Werte. Das Beispiel einer solchen Rechnung zeigt die Abbildung.

  1. Ihre gesamten Lagerkosten (also die Summe der Kostenstelle Lager),
  2. Ihren durchschnittlichen Lagerbestand der zu betrachtenden Periode (zum Beispiel: letztes Jahr) und
  3. Ihren aktuellen Zinssatz den Sie für Betriebsmittelkredite zahlen oder kalkulieren müssen.

Nachfolgend eine Beispielberechnung:

Bild:Lageroptimierung - Beispiel1.jpg


Bild:Lageroptimierung - Beispiel2.jpg



Software & Internettools:

Expertentipps:

 

Die Beschaffung und die Haltung von Waren ist auch wesentlicher Bestandteil guter kaufmännischer Softwarelösungen. Bedingt durch beispielsweise Einkäufe des gleichen Artikels zu verschiedenen Preisen zu unterschiedlichen Zeiten entsteht die Problematik der Kalkulation des Verkaufspreises. Dieser lässt sich auf Basis des mittleren Einkaufspreises berechnen, das erledigt die Software, zum Beispiel die Mittelstandsedition von „WISO Mein Büro“ (Servicelink 07-07-08).

Wer über Einkaufs- oder Bestellmengen nur in Abhängigkeit von günstigen Einstandspreisen und Rabatten entscheidet, macht es sich zu einfach. Vielmehr sollte immer auch das Bestandsrisiko berücksichtigt werden. Produkte und Kundenbedürfnisse entwickeln sich so schnell weiter, dass morgen die Produkte von heute schon keiner mehr will. In solchen Situationen war ein günstiger Einkauf in Wahrheit ein teures Geschäft.


Hier erfahren Sie mehr

  • ABC-Analyse (Servicelink 07-07-01)
  • XYZ-Analyse (Servicelink 07-07-02)
  • Internetportal zum Thema Logistik (Servicelink 07-07-03)
  • Bundesvereinigung Logistik, Kongresse und Seminare (Servicelink 07-07-04)
  • Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) (Servicelink 07-07-05)
  • Deutsche Verkehrszeitung (DVZ) (Servicelink 07-07-06)
  • Wolfgang Stölze: Erfolgsfaktor Bestandsmanagement (28 Euro) (Servicelink 07-07-07)
Persönliche Werkzeuge