Kurzfristige Zahlungsfähigkeit

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Mein wichtigster Lieferant hat mir eine Mahnung geschickt. Mein Konto­korrent ist aber gerade ausgeschöpft. Was kann ich tun?

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Gut, dass Sie den Kopf nicht in den Sand stecken: Kurzfristige Zahlungs­schwierigkeiten sind zwar unangenehm und teuer – sie kommen aber in den besten Unternehmen vor. Meistens lässt sich schnell eine für alle Beteiligten erträgliche Lösung finden. Liquiditätsengpässe sind aber auch ein Hinweis auf Schieflagen bei der Finanzplanung. Deshalb dürfen Sie nach einer „Feuerwehraktion“ nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.




Ihre unerfreuliche Lage zeigt: Der Kontoauszug ist als Basis für Finanzentscheidungen auf Dauer denkbar ungeeignet. Unter „Finanz- und Liquiditätsplanung“ finden Sie die erforderlichen Werkzeuge, um Ihre Zahlungsfähigkeit langfristig zu sichern. Ein erster Erfolg wird sich aber frühestens in ein paar Wochen oder Monaten einstellen. An der aktuellen Misere ändert das herzlich wenig. Hier bieten sich Ihnen die folgenden Optionen an.

  • Rechnungen schreiben: Viele Selbständige und Unternehmer denken an sich selbst zuletzt – auch und gerade in finanziell angespannten Situationen. Haben Sie alle abgearbeiteten Aufträge bereits abgerechnet?
  • Eigene Kundenforderungen prüfen: Ist Ihr Forderungsmanagement auf dem Laufenden? Haben Sie alle Möglichkeiten ausgeschöpft, Ihre eigenen Außenstände einzutreiben? Tipp: Die wichtigsten Empfehlungen zum Umgang mit offenen Posten finden Sie unter „Forderungen eintreiben“.
  • Kontokorrentkredit überziehen: Bei Überziehungszinsen von bis zu 20 Prozent ist das die teuerste „Lösung“. Wenn Sie sich den Nachschlag ohne Rücksprache mit Ihrer Bank holen, laufen Sie zudem Gefahr, dass Ihre Kreditlinie gesenkt oder sogar komplett gekündigt wird.
  • Kontokorrentkredit kurzfristig ausweiten: Das hat den Vorteil, dass Sie Ihre Bank mit ins Boot holen und die Zinsbelastung geringer ist. Mit in der Regel über zwölf Prozent liegt sie aber immer noch ziemlich hoch.
  • Umschuldung: Ist Ihr Anlagevermögen (Immobilien, Maschinen, Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung) langfristig finanziert? Oder haben Sie in der Vergangenheit die eine oder andere Investition aus laufenden Mitteln oder gar per Kontokorrentkredit bestritten? Dann können Sie je nach Eigenkapitalausstattung und vorhandenen Sicherheiten Teile Ihrer kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber der Bank in ein längerfristiges Darlehen umwandeln. Dadurch erhöht sich Ihre finanzielle Handlungsfähigkeit spürbar und die Zinsbelastung ist wesentlich niedriger.
  • Verhandlungen über einen Zahlungsaufschub: Wenn Sie mit Ihrem wichtigsten Lieferanten über lange Zeit gute und reibungslose Geschäfte gemacht haben, kommt er Ihnen möglicherweise gern entgegen. Mindestens ebenso wichtig: Dadurch dass Sie von sich aus auf Ihren Gläubiger zugehen, weiß er, woran er ist, und kann seine eigene Planung darauf abstellen.
  • Verzinster Lieferantenkredit: Durch Ihren Verzicht auf den Zahlungsnachlass haben Sie Ihrem Geschäftspartner bereits eine saftige Verzinsung seines Lieferantenkredits gewährt. Nachdem die Zahlungsfrist abgelaufen ist, können Sie versuchen, seinen Widerstand gegen einen Zahlungsaufschub durch das Angebot einer angemessenen Verzinsung auszuhebeln.
  • Private Finanzspritze: Bevor Ihr Unternehmen in eine existenzielle Schieflage gerät, greifen Sie notfalls selbst in die Tasche. Ob das in Form einer schlichten Privateinlage, durch Kauf zusätzlicher Unternehmensanteile oder als Gesellschafterdarlehen geschieht, ist von der Rechtsform abhängig. Am besten sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater.
  • Beteiligungskapital einwerben: Wenn Sie die Eigenkapitalausstattung verbessern wollen, dazu persönlich aber nicht in der Lage sind, sollten Sie auch über (stille) Beteiligungen Dritter nachdenken. Sind Sie selbst von Ihrem Unternehmen überzeugt, können Sie auch potenzielle Geldgeber zu einer Einlage bewegen.



Die nächsten Schritte



Expertentipps:


  • Überprüfen Sie die Einnahmeseite: Schreiben Sie unbedingt Rechnungen für sämtliche erledigten Aufträge!
  • Haken Sie bei Ihren offenen Kundenforderungen nach: Schreiben Sie Zahlungserinnerungen und prüfen Sie, ob und wie Sie bestimmte Kunden zu besonders zeitnaher Bezahlung bewegen können.
  • Verhandeln Sie mit Ihrer Bank, um je nach Situation das Tolerieren einer kurzfristigen Überziehung, eine Ausweitung des Kontokorrentkredits oder eine Umschuldung zu erreichen.
  • Fragen Sie bei Ihrem Steuerberater und/oder der örtlichen IHK nach, ob Sie Anspruch auf öffentliche Fördermittel haben.


  • Prüfen Sie, mit welchen Maßnahmen Sie Ihre Zahlungsfähigkeit aus eigener Kraft kurzfristig herstellen können.
  • Vertrauen Sie auf Ihren guten Ruf: Indem Sie von sich aus aktiv werden, tragen Sie dazu bei, dass er erhalten bleibt.
  • Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Lieferanten und Ihrer Bank auf. Dass Sie in finanzieller Bedrängnis sind, merken Ihre Gläubiger ohnehin. Sie werden es zu schätzen wissen, dass Sie die Situation professionell angehen.
  • Vergessen Sie nach Bewältigung der aktuellen Krise nicht, die Finanzierung Ihres Unternehmens auf ein langfristig tragfähiges Fundament zu stellen und Ihre Liquidität laufend zu überprüfen.

Hier erfahren Sie mehr

  • GründerZeiten Nr. 31: Liquidität (PDF) (Servicelink 02-01-01)
  • GründerZeiten Nr. 18: Forderungsmanagement (PDF) (Servicelink 02-01-02)
  • BMWi: Liquiditäts-Quiz (Servicelink 02-01-03)
  • KfW Mittelstandsbank: Unternehmerkredit (Betriebsmittelvariante) (Servicelink 02-01-04)
  • Hans-Werner Stahl: Finanz- und Liquiditätsplanung (6,90 Euro) (Servicelink 02-01-05)
  • Monika Haunerdinger, Hans-Jürgen Probst: Finanz- und Liquiditätsplanung in kleinen und mittleren Unternehmen (39,80 Euro) (Servicelink 02-01-06)

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