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Manchmal kündigen sich Krisen schon lange vorher an. Aber weil der Unternehmer die Augen vor den Entwicklungen verschließt oder ihm der Überblick über seine Finanzen fehlt, kann er nicht rechtzeitig etwas dagegen unternehmen. Gelegentlich ereignen sich Krisen aber auch ganz plötzlich. Auslöser finden sich in fast allen Bereichen, die wir in den vorausgegangenen acht Kapiteln beleuchtet haben: Der Unternehmer erkrankt zum Beispiel für längere Zeit, die Bank schränkt den Kontokorrentrahmen ein, das Finanzamt stellt Steuernachforderungen, wichtige Mitarbeiter scheiden aus, ein großer Kunde bricht weg, der wichtigste Großhandelspartner fordert plötzlich hohe Rabatte, am Beschaffungsmarkt steigen dramatisch die Preise oder durch einen Fehler kommt es zu einem hohen Haftpflichtschaden.
Viele dieser kritischen Entwicklungen haben eines gemeinsam: Sie lassen sich durch vorausschauende Planung und sinnvolles Risikomanagement vermeiden. Genau aus diesem Grund erwarten Banken im Businessplan ihrer Kreditnehmer eine Risikobetrachtung: Was sind die größten Risiken? Welche Maßnahmen werden ergriffen, damit sie nicht eintreten bzw. ihre Auswirkungen beherrschbar bleiben? Als Lösungsansatz kommt hier zum Beispiel der Abschluss von Versicherungen oder das Aushandeln „wasserdichter“ Verträge mit Geschäftspartnern infrage. Bei jeder Entscheidung und jedem Vertrag sollten Sie immer den schlimmsten Fall mitbedenken: Wie sind Sie dafür gerüstet, wenn er eintritt? Meist reicht es aus, professionell und vorausschauend zu handeln – so wie es in den vorangegangenen Kapiteln beschrieben wurde.
Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und hat sich die Krise zugespitzt, hilft es allerdings nicht, dem in der Vergangenheit Versäumten nachzutrauern. In einer solchen Situation ist vor allem schnelles und entschlossenes Handeln nötig. Der erste Schritt besteht immer darin, das Problem zu erkennen und als krisenhaft zu akzeptieren. Das ist die Voraussetzung für die innere Bereitschaft, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen und den Spielraum für mögliche Maßnahmen auszuweiten. Im Folgenden berichten wir beispielhaft über sechs Krisenszenarios und geben Tipps, wie Sie handeln könnten, falls Sie sich in einer solch vertrackten Situation wiederfinden:
- Der Einkäufer, mit dem Sie bestens klargekommen sind, verlässt das Unternehmen und sein Chef nimmt den Einkauf selbst in die Hand. Für ihn zählt nur der niedrigste Preis.
- Sie haben einen Auftrag zum Festpreis übernommen, das Material aber noch nicht eingekauft. Der Preis dafür ist in den letzten Tagen rapide angestiegen, sodass Sie bei dem Auftrag kräftig draufzahlen müssten. Was ist zu tun?
- Die Mitarbeiter grüßen Sie nur noch lustlos. Sie gehen überpünktlich nach Hause. Zwei Spitzenkräfte sind zur Konkurrenz abgewandert. Wie können Sie mit der Situation fertig werden?
- Das Geld ist so knapp, dass Sie noch nicht einmal den Steuerberater bezahlen können. Der weigert sich, den Jahresabschluss für Sie zu erstellen. Zugleich drängt das Finanzamt auf Abgabe und droht mit einer Steuerschätzung.
- Die Bank hat Ihr Konto gesperrt und das Finanzamt fordert eine horrende Steuernachzahlung. Noch gibt es aber Hoffnung, denn Aufträge kommen herein und Sie erwarten die Zahlung von einem größeren Kunden. Was ist zu tun?
- Sie können schon seit längerer Zeit Ihre Rechnungen nicht mehr pünktlich bezahlen. Momentan geht gar nichts mehr. Sie fragen sich, wie lange Sie Zeit haben, um die Insolvenz anzumelden.
Lassen Sie sich von diesen Horrorszenarios nicht entmutigen. Bevor Sie weiterlesen, überlegen Sie sich, wie Sie agieren würden, wenn Sie in einer solchen Lage wären – und was Sie schon im Vorfeld tun könnten, damit ein solcher Fall in Ihrem Unternehmen gar nicht erst eintritt.
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