Investitionen finanzieren

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Kürzlich habe ich eine neue Maschine angeschafft. Aus Gründen der Einfachheit und Schnelligkeit habe ich den Kaufpreis über den Kontokorrentkredit finanziert. Auf dem Kontoauszug habe ich jetzt den Zinssatz gesehen. Ich befürchte, ich habe einen Fehler gemacht!?

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Mit Ihrer Befürchtung liegen Sie leider völlig richtig – und das nicht nur, weil die Zinsbelastung wesentlich höher ist als bei einem langfristigen Kredit. Wenn Sie Ihren Kontokorrentkredit für Investitionen nutzen, schränken Sie Ihren finanziellen Spielraum gefährlich ein und wandeln ständig am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Als Alternative kommt jedoch nicht nur das klassische Bankdarlehen infrage.




Der variable Kontokorrentkredit ist grundsätzlich eine feine Sache: Zwar ist der Zinssatz im Schnitt mindestens doppelt so hoch wie bei „richtigen“ Bankdarlehen – dafür wird aber auch nur der Betrag tagesgenau verzinst, den Sie tatsächlich in Anspruch nehmen. Der Zweck des betrieblichen Notgroschens liegt darin, kurzfristig unerwartete Zahlungsengpässe abzufedern. So haben Sie zum Beispiel die Möglichkeit, von einer Lieferantenrechnung Skonto abzuziehen, obwohl Ihr eigener Großkunde ausnahmsweise einmal mit der Zahlung in Verzug ist.

Wenn Sie den bequemen Geschäfts-Dispo jedoch zur Finanzierung langfristiger Anschaffungen (zum Beispiel von Maschinen) einsetzen, laufen Sie Gefahr, dauerhaft in die teuren roten Zahlen zu rutschen und keine Liquiditätsreserve für Notfälle mehr zu haben. Dass die Bank Ihren Kontokorrentkredit bei Zweifeln an Ihrer Kreditwürdigkeit jederzeit kürzen oder ganz streichen kann, erhöht das Risiko zusätzlich.

Wichtig: Bedrohliche Finanzierungslücken können auch dann entstehen, wenn Sie ein vermeintlich freies Bankguthaben zur Bezahlung von Investitionen verwenden, ohne diese Ausgabe zuvor gründlich mit Ihrer mittel- und langfristigen Finanzplanung abzustimmen: Finanzieren Sie Anlagen daher nur dann aus Eigenmitteln, wenn Sie sicher sind, dass das Geld über die gesamte Nutzungsdauer nicht an anderer Stelle dringender gebraucht wird!

Nachdem aber das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, sollten Sie klären, ob und bis wann Sie sich aus eigener Kraft aus der Finanzklemme befreien können. Falls Ihre Zahlungs­fähigkeit bedroht und/oder die Zinsbelastung des Kontokorrentkredits höher als die Zinsen und die Gebühren eines nachträglichen Bankdarlehens ist, sollten Sie die Möglichkeit einer Umschuldung ausloten.



Checkliste: Finanzierungsalternativen



Expertentipps:


Wenn das vorhandene Eigenkapital zur Finanzierung kostspieliger Anschaffungen nicht reicht, bietet sich als Alternative nicht nur der klassische Bankkredit an: Prüfen Sie

  • ob es Miet- oder Leasingangebote zu erschwinglichen Konditionen gibt.
  • ob Sie die Investition noch ein oder zwei Jahre verschieben und den Kauf durch Bildung einer Investitionsrücklage teilweise vorfinanzieren können.
  • ob Sie die benötigten Maschinen, Anlagen oder Einrichtungsgegenstände in einwandfreiem Zustand gebraucht kaufen können. Die gute Nachricht: Seit 2007 dürfen Sie Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen auch für gebrauchte Wirtschaftsgüter in Anspruch nehmen!
  • ob Sie Ihre Eigenkapitalbasis durch offene oder stille Beteiligungen erhöhen können und wollen.
  • ob unter Umständen sogar eine öffentliche oder private Beteiligungsgesellschaft das benötigte Kapital bereitstellt.
  • ob Mitarbeiterbeteiligungen oder -darlehen infrage kommen.
  • ob Sie private „Sponsoren“ ohne geschäftliche Interessen für Ihr Vorhaben begeistern können (zum Beispiel aus dem Freundes- oder Verwandtenkreis).
  • Bezahlen Sie betriebliches Anlagevermögen niemals (!) per Kontokorrentkredit.
  • Beschaffen Sie Anlagevermögen grundsätzlich mit mittel- und langfristigen Krediten (Fremdkapital) oder langfristig verfügbaren Eigenmitteln (Eigenkapital).
  • Prüfen Sie bei geplanter Finanzierung aus Eigenmitteln, ob das Geld bis zur vollständigen Abschreibung der Anlage nicht an anderer Stelle dringender benötigt wird.
  • Kalkulieren Sie bei der vermeintlich „kostenlosen“ Finanzierung aus Eigenmitteln unbedingt die ent­­gangenen Habenzinsen mit ein.
  • Klären Sie rechtzeitig vor der Anschaffung, ob Sie die Voraussetzung für zinsgünstige und/oder vorübergehend tilgungsfreie Förderkredite erfüllen.
  • Prüfen Sie bei einer Fremdfinanzierung, ob Ihr Betrieb die Zinsen und Tilgungsbeträge dauerhaft bezahlen kann.
  • Schöpfen Sie die zulässigen Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen aus.

Hier erfahren Sie mehr

  • GründerZeiten Nr. 21: Beteiligungskapital (PDF) (Servicelink 02-13-01)
  • DIHK-Broschüre „Finanzierungsalternativen“ (PDF) (Servicelink 02-13-02)
  • DIHK-Merkblatt „Leasing“ (PDF) (Servicelink 02-13-03)
  • DIHK-Merkblatt „Eigenkapital/Beteiligungskapital“ (PDF) (Servicelink 02-13-04)
  • Sonja Riehm/Ashok Riehm/Axel Gehrholz: Bankkredit adieu! Die besten Finanzierungsalternativen. Neue Wege der Kapitalbeschaffung (21,80 €) (Servicelink 02-13-05)

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