Gut vorgesorgt fürs Alter

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Der Vater eines Vereinskollegen, ein Einzelhändler, geht jetzt mit 60 in Rente. Ich bin zwar noch viel jünger, aber angesichts meiner Rücklagen fürs Alter muss ich wohl bis 67 arbeiten, wenn nicht länger. Oder?

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Der Einzelhandel ist sicher kein einfaches Geschäft, aber der Vater Ihres

Vereinskollegen hat es offenbar trotzdem geschafft. Wahrscheinlich hat er gut gewirtschaftet und schon früh begonnen, fürs Alter zu sparen. Auch Sie können relativ genau ausrechnen, wie viel Sie jetzt zurücklegen müssen, um später sorgenfrei in Ruhestand zu gehen. Wenn Sie diese Planungen dann konsequent umsetzen, ist die Rente mit 60 vielleicht auch für Sie möglich!




Reich wird man nicht, weil man viel Geld verdient, sondern weil man wenig ausgibt und das verdiente Geld gut anlegt. Das haben die amerikanischen Autoren Thomas J. Stanley und William D. Danko eindrucksvoll bestätigt. Die von ihnen befragten US-Millionäre haben nicht unbedingt ein höheres Einkommen als andere, aber sie sind sparsam und legen wenig Wert auf Statussymbole wie teure Autos. Sie nehmen sich mehr Zeit für Geldanlage und Finanzplanung und zahlen im Schnitt weniger Steuern als andere mit einem vergleichbaren Ein­­­kommen.

Aufzählung

  • Erster Erfolgsfaktor: Der von Ihnen als notwendig er­­achtete Lebensstandard bestimmt, wie viel Sie monatlich zur Seite legen können und auch wie viel Sie ansparen müssen, um davon im Alter leben zu können.
  • Zweiter Erfolgsfaktor: Wann wollen Sie aufhören zu arbeiten? Je früher, umso weniger Zeit haben Sie, das nötige Kapital anzusparen und umso mehr Geld benötigen Sie, denn Sie müssen Ihre Rente über einen längeren Zeitraum finanzieren.
  • Dritter Erfolgsfaktor ist die Rendite nach Abzug von Steuern und Inflation, mit der Sie Ihre Ersparnisse anlegen, denn umso stärker greift der Zinseszins-Effekt.
  • Vierter Erfolgsfaktor: Beginnen Sie so früh wie möglich mit dem Sparen. Fünf Jahre können einen gewaltigen Unterschied ausmachen. Beispiel: Wenn Sie 500 Euro monatlich einzahlen und sieben Prozent Wertentwicklung erzielen, können Sie innerhalb von 35 Jahren 860.000 Euro ansparen. Wenn Sie fünf Jahre später beginnen und 30 Jahre sparen, kommen nur 588.000 Euro heraus, also fast ein Drittel weniger. Umgekehrt formuliert: Um auf dieselbe Rente zu kommen, müssen Sie im zweiten Fall fast 50 Prozent mehr, nämlich gut 730 Euro monatlich zurücklegen.

Letztlich müssen Sie eine Art „Businessplan fürs Alter“ erstellen und verschiedene Szenarien (Renteneintrittsalter, Inflation, Rendite, Steuerbelastung) durchrechnen. Schätzen Sie ausgehend von Ihren heutigen Fixkosten, wie hoch Ihre Ausgaben im Rentenalter sein werden. Dabei müssen Sie die Inflation berücksichtigen. Ermitteln Sie, wie viel davon durch Ihre Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersvorsorge, von Versorgungswerken sowie durch bestehende Geldanlagen abgedeckt sind. Errechnen Sie, wie viel Kapital Sie zusätzlich benötigen, um die verbleibende Rentenlücke zu schließen. Daraus können Sie anhand von Einzahlplänen ermitteln, wie viel Sie monatlich zurücklegen müssen, um Ihre Altersvorsorge auf eine solide Basis zu stellen. (Bei den Berechnungen hilft Ihnen der unten aufgeführte Investmentrechner.) Ein guter Finanzberater kann Sie unterstützen und Ihnen auch Hinweise geben, wie die Geldanlagen fürs Alter (und im Alter) steuerlich behandelt werden. Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn Sie sich schon im Vorfeld von Beratungsgesprächen über die zugrunde liegenden Größen Gedanken gemacht haben.

Das Ergebnis wird Sie wahrscheinlich erschrecken, denn in der Regel ergibt sich ein Kapitalbedarf von vielen hunderttausend Euro. Lassen Sie sich nicht entmutigen, sondern nehmen Sie die Herausforderung an. Bewährt haben sich Anlagen in ein gut diversifiziertes, also zum Beispiel auf mehrere Aktienfonds (und auch andere Anlagekategorien) gestreutes Portfolio. Gute Finanzberater können eine Markowitz-Optimierung durchführen, das heißt rechnerisch ermitteln, welche Zusammensetzung die bestmögliche Risiko-Rendite-Chance ausweist.

Wenn die Rentenphase näherrückt, sollten Sie das Kursrisiko dadurch reduzieren, dass Sie den Aktienanteil allmählich reduzieren. Bei Versicherungsprodukten haben Sie die Wahl zwischen der klassischen deutschen Kapitalversicherung mit maximal 30 Prozent Aktienanteil, der britischen Versicherung, bei der in der Regel 50 bis 80 Prozent in Aktien angelegt sind, und der fondsgebundenen Versicherung, bei der Sie alleine entscheiden, in welche der vom Versicherer angebotenen Fonds Ihre Ersparnisse angelegt werden.



Die nächsten Schritte



Expertentipps:


  • Machen Sie einen Kassensturz und stellen Sie Ihre regelmäßigen Ausgaben auf den Prüfstand. So können Sie Ihren Rentenbedarf im Alter realistischer abschätzen und finanziellen Spielraum für zusätzliche Ersparnisse entdecken.
  • Auf Kredite zahlen Sie zumeist höhere Zinsen, als Sie für Anlagen erhalten, deshalb sollten Sie in der Regel zunächst Verbindlichkeiten tilgen. Denken Sie auch an ausreichende Rückstellungen für Steuernachzahlungen und nötige Anschaffungen.
  • Klären Sie Ihre bestehenden Rentenansprüche bei der Deutschen Rentenversicherung (Renteninformation anfordern!), im Rahmen Ihrer betrieblichen Altersvorsorge, bei Versorgungswerken und im Rahmen privater Rentenversicherungen.
  • Prüfen Sie, wie Ihre Ersparnisse angelegt sind. Eine Optimierung der Geldanlage kann bei vergleichbarem Risiko eine um einiges höhere Rendite bringen.
  • Ermitteln Sie mithilfe eines Finanzberaters Ihren zusätzlichen Finanzbedarf fürs Alter und richten Sie zumindest einen entsprechenden Investmentsparplan ein. Wenn Sie zunächst noch nicht so viel Geld erübrigen können, beginnen sie zumindest mit einem symbolischen Betrag zwecks Gewohnheitsbildung. Den Betrag sollten sie dann baldmöglichst aufstocken.
  • Überlegen Sie, ob die Anschaffung einer Immobilie Teil Ihres Vorsorgekonzepts sein könnte.
  • Achten Sie als Selbständiger auf Ihre Flexibilität. Bei der Anlage in Investmentfonds und in die Basisrente (im Volksmund „Rürup-Rente“) sind Sie relativ flexibel. Manche Versicherungen dagegen verpflichten Sie über Jahrzehnte zu festen monatlichen Einzahlungen.

Für Selbständige ist die Basisrente ein besonders interessanter Baustein für die Altersvorsorge. Beitragszahlungen sind je nach Liquidität flexibel bis 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro) pro Jahr möglich – zum Beispiel als Einmalzahlung kombiniert mit relativ niedrigen regelmäßigen Beiträgen. Die Beiträge sind zu einem steigenden Anteil steuerlich absetzbar, in 2009 zum Beispiel zu 68 Prozent. Das Renteneintrittsalter kann flexibel bestimmt werden (frühestens ab 60). Der dann angesparte Betrag wird in eine lebenslange Rente umgewandelt, ähnlich wie bei der gesetzlichen Rente ist damit auch das „Langlebigkeitsrisiko“ abgedeckt. Die Ersparnisse sind gegen Insolvenz und Hartz IV geschützt.

Kehrseite: Sie kommen in einer Notsituation nicht an die Ersparnisse heran und können sie auch nicht beliebig vererben. Eine Hinterbliebenenversorgung in Form einer Rente für Ehepartner/Kinder ist aber möglich.


Hier erfahren Sie mehr

  • Deutsche Rentenversicherung (Servicelink 01-02-01)
  • Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e.V. (ABV) (Servicelink 01-02-02)
  • Künstlersozialkasse (Servicelink 01-02-03)
  • Investmentrechner für Ein- und Auszahlungspläne (Servicelink 01-02-04)
  • Investmentrechner (Java) (Servicelink 01-02-05)
  • Gerd Kommer: Souverän investieren mit Indexfonds, Indexzertifikaten und ETFs (29,90 Euro) (Servicelink 01-02-06)
  • Isabell Pohlmann: Finanztest – Altersvorsorge für Selbstständige (16,90 Euro) (Servicelink 01-02-07)
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