Abschreibungen

Aus Buhl Unternehmerwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche


Datei:Frage.gif

Was heißt hier abgeschrieben? Ich zähle noch lange nicht zum alten Eisen. Oder was ist damit eigentlich gemeint?

Datei:Antwort.gif

Keine Sorge: Sie als Inhaber werden nicht abgeschrieben – wohl aber Ihr Betriebsvermögen. Denn das verliert nach und nach an Wert. Die Abnutzung dürfen Sie von der Steuer absetzen und so Ihren Gewinn mindern. Daher bezeichnet man Abschreibungen auch als „Absetzung für Abnutzung“ (AfA). Für Ihre interne Preiskalkulation und die Sicherung der Zahlungsfähigkeit sind Abschreibungen ebenfalls von Bedeutung.




Wenn Sie in Maschinen, Werkzeuge, Fahrzeuge und ähnliche Wirtschaftsgüter investieren, denken Sie über den Tag hinaus: Schließlich wollen Sie solche Anschaffungen in den meisten Fällen jahrelang in Ihrem Betrieb einsetzen. Das hat nicht nur steuerliche Auswirkungen. Auch bei der Preiskalkulation müssen Investitionen in Anlagegüter anders behandelt werden als laufende Kosten wie die für Miete oder Personal. Würde ein Handwerker beispielsweise den Anschaffungspreis seines neuen Lieferwagens schon im Jahr des Neukaufs in voller Höhe auf seinen Stundensatz umlegen, dann wären happige Preiser­höhungen unvermeidlich. Oder: Würden Existenzgründer sämtliche Anfangsinvestitionen bereits im ersten Geschäftsjahr in ihre Preise einkalkulieren, müssten sie sich gleich wieder vom Markt verabschieden.

Nach welchem Verteilungsschlüssel Sie Ihre Kosten inner­betrieblich den einzelnen Wirtschaftsjahren zuordnen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Anders verhält es sich bei der steuerlichen Gewinnermittlung: Nur die „geringwertigen Wirtschaftsgüter“ (GWG) mit einem Nettowert von weniger als 150 Euro (bis 2007: 410 Euro) dürfen Sie im Jahr der Anschaffung zu 100 Prozent abschreiben. Bei wertvolleren „abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens“ schreibt Ihnen das Finanzamt ganz genau vor, wie die Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer zu verteilen sind: Die „betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer“ ist in den amtlichen „AfA“-Tabellen fest­­gelegt. Lediglich wenn Sie im Einzelfall einen schnelleren Verschleiß glaubhaft machen können, ist ausnahmsweise ein kürzerer Abschreibungszeitraum erlaubt. Standardmäßig dürfen Sie beispielsweise

  • einen Computer binnen drei Jahren abschreiben,
  • einen Geschäftswagen über sechs Jahre,
  • Büromöbel über 13 Jahre und
  • ein Betriebsgebäude in 33 Jahren.

Mit anderen Worten: Einen Teil Ihrer Ausgaben des Jahres 2009 dürfen Sie unter Umständen erst vom Gewinn des Jahres 2041 abziehen. Wenn Sie viel investieren, besteht also immer die Gefahr, dass Ihre Zahlungsfähigkeit trotz guter Auftragslage und hoher Gewinne gefährdet ist. Für Abhilfe sorgen Sie mit einer langfristigen Finanzierung und einer konsequenten Liquiditätsplanung.

Statt den Wertverlust gleichmäßig über die Nutzungsdauer zu verteilen (lineare Abschreibung), dürfen Unternehmen sich bis einschließlich 2007 auch für die „Abschreibung in fallenden Jahresbeträgen“ entscheiden: Bei der degressiven Abschreibung wird jedes Jahr ein gleichbleibender Prozentsatz auf den verbliebenen Buchwert angewendet. So kommen in manchen Fällen anfangs höhere Abschreibungsbeträge zustande. Da die Obergrenze für die degressive AfA allerdings nur noch bei maximal 20 Prozent liegt, lohnt sich dieses Abschreibungsverfahren nur bei Wirtschaftsgütern, deren Nutzungsdauer fünf Jahre überschreitet. Ein einmaliger Wechsel der Abschreibungsmethode (degressiv auf linear) ist zulässig.

Ganz gleich für welche Abschreibungsmethode Sie sich entscheiden: Im Anschaffungsjahr verlangt der pingelige Fiskus obendrein die monatsgenaue Berechnung des Abschreibungsbetrages. Das heißt: Pro Monat der betrieblichen Nutzung dürfen Sie nur ein Zwölftel der Jahres-AfA ansetzen.



Checkliste



Expertentipps:


Im Zuge der Unternehmensteuerreform änderten sich die Abschreibungsregeln zum 1.1.2008 gravierend. Die folgenden Neuerungen sollten Sie kennen:

  • Die Wertgrenze für „geringwertige Wirtschaftsgüter“ sinkt auf 150 Euro (netto).
  • Wirtschaftsgüter im Wert zwischen 150 Euro und 1.000 Euro müssen Sie jahresweise zu „Sammelposten“ zusammenfassen.
  • Ungeachtet der Nutzungsdauer der einzelnen Wirtschaftsgüter müssen die Sammelposten über fünf Jahre abgeschrieben werden.
  • Das gilt sogar dann, wenn einzelne Vermögensteile unbrauchbar geworden sind oder aus anderen Gründen aus dem Betrieb herausfallen.
  • Wirtschaftsgüter im Wert von mehr als 1.000 Euro müssen entsprechend ihrer Nutzungsdauer gemäß AfA-Tabelle künftig grundsätzlich linear abgeschrieben werden. Die degressive Abschreibung wird komplett abgeschafft.
  • Dafür verbessern sich die Bedingungen der „Ansparabschreibung“ (die neuerdings „Investitionsabzugsbetrag“ heißt) für kleine und mittelständische Unternehmen: Bereits seit 2007 ist die Rücklagenbildung auch bei geplanten Anschaffungen gebrauchter Wirtschaftsgüter zulässig, die Investitionsfrist verlängert sich, Betriebsvermögensgrenze und Rücklagenhöchstbetrag steigen.

So funktioniert zum Beispiel die lineare Computer-Abschreibung:

Kauf eines neuen PC im September 2009

  • Netto-Einkaufspreis: 1.350 Euro
  • Nutzungsdauer: drei Jahre
  • Nutzungsdauer 2009: vier Monate (September bis Dezember)
  • Lineare Jahres-AfA: 1/3 = 450 Euro
  • Monatsgenaue Jahres-AfA 2009: 4/12 von 450 Euro = 150 Euro
  • Restwert am 31.12.2009: 1.350 Euro ./. 150 Euro = 1.200 Euro
  • Jahres-AfA 2010: 450 Euro
  • Restwert am 31.12.2010: 1.200 Euro ./. 450 Euro = 750 Euro
  • Jahres-AfA 2011: 450 Euro
  • Restwert am 31.12.2011: 750 Euro ./. 450 Euro = 300 Euro
  • Jahres-AfA 2012: 300 Euro

Hier erfahren Sie mehr

  • Wikipedia: Unternehmensteuerreform 2008 in Deutschland (Servicelink 03-11-01)
  • Wikipedia: Ansparabschreibung/Investitionsabzugsbetrag (Servicelink 03-11-02)
  • § 7 Einkommensteuergesetz: Absetzung für Abnutzung oder Substanzverringerung (Servicelink 03-11-03)
  • AfA-Tabellen (Servicelink 03-11-04)
  • Bundestag und Bundesrat: Unternehmensteuerreformgesetz 2008 (Servicelink 03-11-05)
  • IHK Siegen: Merkblatt Unternehmenssteuerreform 2008 (Servicelink 03-11-06)
  • Bücher zum Thema „Unternehmensteuerreform 2008“ (Servicelink 03-11-07)
Persönliche Werkzeuge